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Rekordpreise gab es für die lange übersehenen Arbeiten von Mel Ramos, dessen neue Skulpturen zur Zeit ausserordentlich gut verkauft werden. Die 157 cm große Öl-auf-Leinwand-Version der Zündkerzenreklame „A.C.Annie“ – passend für einen Fichtel-&-Sachs-Erben – kostete 1,1 Millionen Pfund. Erstaunlich war dann aber, dass die Posterversion aus einer Auflage von 5 000 Exemplaren, taxiert auf 500 bis 700 Pfund, einen Rekordpreis von 33 650 Pfund brachte. Die großen „Nudes“ von Tom Wesselmann mit den Nummern 31 und 51 kosteten 1,1 und 1,6 Millionen, sein Küchenstillleben aus St. Moritz brachte 325 250 Pfund. Auch die beiden kleinen „Feus“ von Yves Klein waren mit 937 250 und 825 250 Pfund adäquat bewertet – Sachs war ein Liebhaber häuslicher Kunstformate.

Auch andere Werke Warhols brachten marktgerechte Preise: Das berühmte „Fright Wig“-Selbstporträt, 1998 von Sachs für 397 500 Pfund in London ersteigert, ging gegen den unermüdlich mitbietenden New Yorker Händler-Sammler José Mugrabi für 5,3 Millionen Pfund an einen Saalbieter. Mugrabi übernahm die „Four Foot Flowers“ für 3,7 Millionen Pfund. Leidenschaftlich wurde auf das Unikat „The Kiss“ mit dem Dracula-Filmstar Bela Lugosi geboten, das auf 3,2 Millionen Pfund kletterte. Gunter Sachs‘ eigenes Warhol-Porträt von 1972 verdoppelte die Schätzung auf 1,3 Millionen Pfund oder 1,6 Millionen Euro.

Wirklich begeistert war man von der Pop Art aus der „Pop-Wohnung“ in St. Moritz, alles marktfrische Pop Art direkt aus den sechziger Jahren. Lächerlich untertaxiert allerdings waren die drei pikanten Möbel von Allen Jones aus Sachs‘ Schlafzimmer. Diese 1969 von dem britischen Popkünstler in einer Auflage von jeweils sechs gefertigten Domina-Kleiderpuppen-Möbel sind in jeder Geschichte der Pop Art und zusätzlich noch jeder Designgeschichte abgebildet, und seit 1988 war kein Exemplar mehr in einer Auktion.

Dazu weiß man, dass die übersehenen Werke der europäischen Pop Art von Polke bis Martial Raysse in den letzten Auktionen Rekordpreise brachten. Hutständer, Sessel und Tisch wurden hintereinander einzeln versteigert, und es war klar, dass die Bieter versuchen würden, den ganzen Satz zu bekommen: Kein Wunder also, dass die niedrigen Schätzungen von jeweils 30 000 bis 40 000 Pfund in den Wind geschlagen wurden: Die drei Möbel brachten 780 450, 836 450 und dann 970 850 Pfund, die Gruppe ging also für 2,6 Millionen Pfund (3,2 Millionen Euro) an einen, von dem deutschsprachigen New Yorker Sotheby’s-Experten Alexander Rotter vertretenen Bieter – keineswegs ein unvernünftiger Preis.